Der Druck auf Kamerahersteller
hat sich zuletzt erhöht. Von Umsatzrückgängen ist die Rede. Ein
Patentrezept gegen die Smartphone-Konkurrenz gibt es noch nicht.
Wien. Jetzt ist Hochsaison, denn nie wird so viel geknipst wie im Urlaub. Und Fotografieren wird als Hobby gerade bei der jüngeren Zielgruppe immer beliebter.
Die Stimmung der Kamerahersteller ist aber getrübt.
Dass die Konsumenten über das Smartphone einen Einstieg in die Fotowelt gefunden haben, sei zwar eine ungeheure Chance, heißt es von den großen Herstellern unisono. Denn früher oder später komme für jeden Hobbyfotograf der Punkt, wo man mit den Möglichkeiten der Handykamera nicht mehr zufrieden sei. Darauf spitzen Nikon, Canon, Sony und Co.
Starker Rückgang
Die Rezepte, den Kunden genau hier abzuholen, sind bisher aber kaum aufgegangen. "Das abgelaufene Geschäftsjahr war das erste, wo der Markt eindeutig zurückgegangen ist. Das lässt sich mit Marktanteilsverschiebungen nicht abfedern", sagt Nikon-Österreich-Chef Wolfgang Lutzky.
"Das abgelaufene Geschäftsjahr war das erste, wo der Markt eindeutig zurückgegangen ist. Das lässt sich mit Marktanteilsverschiebungen nicht abfedern" Wolfgang Lutzky
Das liege vor allem an der Entwicklung der Systemkameras-sie sollen Bildqualität von Spiegelreflexkameras und das praktischere Format der Kompaktkameras verbinden. In den vergangenen Jahren galten sie als Rettung gegen die Smartphone-Konkurrenz. In Europa hat sich die Hoffnung bislang aber noch nicht bewahrheitet. Nach anfänglich starkem Wachstum, habe sich die Kurve nun deutlich abgeflacht, sagt Canon-Österreich-Chef Peter Saak im Interview. Canon hat 2012 die erste eigene Systemkamera auf den Markt gebracht. In Europa war die EOS M kein Erfolg und wird in Österreich auch nicht mehr verkauft. Das Nachfolgemodell war in Asien ein Erfolg, kommt aber nicht nach Europa, sagt Saak.
Bei Nikon schätzt man die Situation anders ein. Das Unternehmen hat zwar im vergangenen Geschäftsjahr die Erwartungen deutlich zurückgeschraubt, "jetzt beginnt der Boom aber zu greifen", sagt Lutzky. Auch jetzt werde das Segment im Handel erst so richtig beworben. Das könne zusätzliche Effekte bringen. Von Wachstumsraten von bis zu 30 Prozent sei auszugehen, heißt es in der Branche. Canon geht strategisch in eine andere Richtung: Neben Spiegelreflex-Einstiegsmodellen versucht man mit einer eigenen Software-Plattform den Konsumenten stärker im eigenen System zu halten. Das beginne damit, Kunden den richtigen Umgang mit der Kamera zu zeigen und endet beim ausgedruckten Fotobuch.
Der Handel freut sich
Konkurrenz gibt es-Canon und Nikon kommen auf Marktanteile von rund 80 Prozent-vor allem bei Kompaktkameras. So legten zuletzt Kameras mit hohen Zoombereichen und mit großen Sensoren zu. Sony konnte hier sogar nach Stückzahlen und Wert über den Erwartungen zulegen, sagt Thomas Purkert, Sony-Marketing-Manager für Österreich und die Schweiz. In dieses Segment ist zuletzt auch der Elektroriese Samsung hineingeprescht und hat damit die Preise nach unten gedrückt."Das Segment Fotografie ist nicht nur nach oben gegangen, es ist explodiert" Robert Hartlauer
So richtig freuen kann sich nur der Handel: "Fotografie ist nicht nur nach oben gegangen, das Segment ist explodiert", sagt Elektronikhändler Robert Hartlauer. Für ihn ist der Rückgang ein statistischer Fehler. Denn Smartphones zählen für ihn auch zur Fotografie, schließlich wählen Kunden ihre Handys nach Kameraqualität. Aber auch abseits der Smartphones werde sich noch einiges tun. Die Verkäufe legen zu, daran müsse man glauben, sagt Hartlauer.
Nachgefragt: Peter Saak von Canon Österreich und Wolfgang Lutzky von Nikon Österreich im Gespräch
Die Verkaufszahlen von Kameras sind immer noch rückläufig. Wie reagieren Sie darauf?Peter Saak: Anwender sagen häufig: "Da habe ich nur ein Handy mitgehabt." Da setzen wir an, wir müssen die Qualität wieder stärker in den Mittelpunkt rücken. Außerdem wollen wir die Integration vorantreiben. Auf der neuen eigenen Fotoplattform Irista können wir Komfort und Bequemlichkeit schaffen. Die Geräte sind heute immer öfter WLAN-fähig, wir liefern aber auch die Möglichkeit, die Bilder zu verwalten und sie auszudrucken. Das ist Komfort, der funktioniert.
Wie viele Nutzer haben sich auf der Plattform bereits registriert?
Peter Saak: Da kann ich keine Zahlen nennen. Die Plattform ist ganz neu auf dem Markt, in Prozent sehen wir ein starkes Wachstum.
Wie wichtig ist der Bereich Fotodruck und Fotobücher?
Peter Saak: Die Umsätze sind zwar noch überschaubar, bei uns haben sie zweistellig zugelegt. In diesem Bereich gibt es große Konkurrenz. Aber mir ist das recht, indirekt stecken wir in der Kette mit dem Verkauf der Tinte oft drinnen.
Wie positioniert sich Canon bei Kameras im Vergleich zu den Mitbewerbern? Wie wichtig sind die Geschäftsbereiche abseits des Fotos?
Peter Saak: Im Vergleich zu den anderen Marktteilnehmern sind wir breit aufgestellt, das betrifft auch die Wertschöpfungskette. Der Kuchen wird kleiner. Wir halten unsere Stückzahlen gesamt aber stabil, beim Umsatz merken wir es schon. Die Preise steigen nicht, wir müssen uns auf höherpreisige Produkte konzentrieren, bei denen wir traditionell schon gut waren.
Die Verbreitung von Smartphones mit guten Kameras hat den Markt in Bedrängnis gebracht. Wie sieht Nikon das Umfeld?
Wolfgang Lutzky: Der Zweck ändert sich. Früher hat man Bilder gemacht, um sich zu erinnern. Heute macht man Aufnahmen, um sie mit Freunden über soziale Netzwerke zu teilen. Wir sehen das als große Chance. Die Fotografie wird vor allem als Hobby immer wichtiger und ab einem gewissen Zeitpunkt ist man mit dem Handy nicht mehr zufrieden. Wenn man sich die Verkaufszahlen ansieht, dann funktioniert es nicht, Handys mit Objektiven aufzuwerten. Der Konsument entscheidet also nach wie vor zwischen Handys und Kameras.
Gerade Nikon ist hier aber mit einer Kamera mit Android-Betriebssystem vorgeprescht. Wie hat sich dieses Gerät verkauft?
Wolfgang Lutzky: Wir haben eine Android-Kamera, mit der man aber nicht telefonieren kann. Die Nachfrage ist zurückhaltend. Wir sehen aber von keinem anderen Hersteller eine echte smarte Kamera. Das wird vom Konsumenten nicht angenommen.
Worauf setzen Sie in dem rückläufigen Umfeld den Fokus?
Wolfgang Lutzky: Nikon bietet nach wie vor auch die Android-Kamera an. Nikon wird in den nächsten Jahren den Fokus aber darauf legen, den Hobbyfotografen stärker anzusprechen. Der Fokus bleibt somit auf Spiegelreflex-und Systemkameras. Wir wollen dabei die volle Bandbreite liefern-von der Einstiegs-bis zur Zoomkamera. In Österreich haben wir eine gute Marktposition. Das vergangene Geschäftsjahr war das erste, in dem der Markt eindeutig zurückgegangen ist. Das lässt sich mit Marktanteilsverschiebungen nicht komplett abfedern.
Artikel erschienen in: WirtschaftsBlatt
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