2016-08-31

Samsung Österreich: "Geräte bauen genügt nicht mehr"



- Samsung hat den Wandel vom Billiganbieter in den Premiumbereich hinter sich, sagt Samsung-Manager Martin Wallner. 

- Das Unternehmen setzt große Hoffnungen in den Displaymarkt. Bald werden alle beklebten Plakatflächen und Schaufenster zu Displays.

-Aber das Unternehmen muss weiterdenken. Nur die Hardware zu verkaufen ist zuwenig. Es braucht auch Services um Kunden zu binden. 


Der heimische Handymarkt ist in Bewegung. Immer mehr chinesische Unternehmen drängen nach Europa. Macht Ihnen das zu schaffen?

Martin Wallner: Im Smartphone-Premiumsegment, also bei Geräten ab 400 €,ist es nach wie vor ein Zweikampf zwischen Samsung und Apple. Man muss ganz ehrlich sagen,
hier haben chinesische Hersteller wenig Relevanz. Und genau diesem Segment hat sich Samsung verschrieben.

Aber Samsung hat es ja ähnlich gemacht: Billig einsteigen, und wenn die Marke bekannt ist, in das höherpreisige Segment wechseln. Passiert da nicht gerade das Gleiche bei Firmen wie ZTE oder Huawei?
Was die asiatischen Mitbewerber machen, ist uns nicht ganz unbekannt. Vor zehn Jahren waren wir da ganz ähnlich. Wir nehmen die Entwicklungen sehr ernst und versuchen schon das gesamte Spektrum abzudecken. Aber manche Preisklassen können wir mit unserer Firmenstruktur nicht abdecken. Das muss man ganz einfach so sehen. Wir haben aber keine Panik. Wenn man sich den Markt ansieht, sind viele große Hersteller wie Nokia, Motorola oder Ericsson wieder verschwunden. Ihre Fehler wollen wir nicht machen. Um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein, stellen wir uns so breit wie möglich auf. Ich glaube aber, dass unsere Marke in der Zwischenzeit ein Level erreicht hat, das man nicht so schnell einholen kann. Außerdem investiert Samsung stark in Innovationen, um der Konkurrenz einen Schritt voraus zu sein.

Aber das heißt, Samsung hat damit auch selbst einen Strategiewechsel durchgeführt. Ist der Wandel zum Premiumanbieter jetzt abgeschlossen?

Wir haben mit dem Billigmarkt aufgehört, weil es uns nicht gelungen ist und weil es keinen Sinn ergibt, mit unserer Firmenstruktur nur Geräte im Einstiegsbereich zu verkaufen. Die Marke können wir uns nur leisten, wenn wir im Premiumsegment verkaufen. Ein Wandel ist in einem Unternehmen niemals abgeschlossen, aber wir haben uns längst dem Bereich verschrieben. Always Premium. Sie werden aber nicht erleben, dass wir nicht mehr breit aufgestellt sind.

Kommen wir zum österreichischen Markt. Gab es früher bei den Mobilfunkanbietern für den Vertragsabschluss noch ein Gerät geschenkt, muss man jetzt mehr selbst zuzahlen. Wie wirkt sich das auf die Hersteller aus?
Jeden, der glaubt, viel für ein Handy oder einen Vertrag auszugeben, kann ich beruhigen. Österreich ist nach wie vor eines der günstigsten Mobilfunkländer Europas. Der Zuschuss der Mobilfunker ist gleich hoch wie früher. Aber die Geräte sind teurer geworden. Früher haben wir noch über einen Durchschnittspreis von bis zu 200 € gesprochen, heute geht es um 600 bis 700 €.

Wie schätzen Sie den Handymarkt ein? Gab es zuletzt nicht den Trend, Geräte nicht vom Mobilfunker, sondern selbst einzukaufen?
In Österreich haben wir unterschiedliche Aufteilungen gesehen. 60 Prozent freier Verkauf, 40 Prozent über Mobilfunker. Dann war es einmal ziemlich aufgeteilt. Jetzt hat der Verkauf über die Mobilfunker wieder an Gewicht gewonnen. Aufgrund der neuen virtuellen Netzanbieter wird wieder aggressiver um Kunden geworben. Dieser Wettbewerb steuert den Markt. Seitdem ich in der Branche bin, ist die Stückzahl der verkauften Geräte annähernd gleich geblieben. Nach wie vor werden jährlich etwa drei Millionen Stück verkauft. Der Trend geht aber eindeutig zu teureren Geräten. Das ist gut für uns.

Samsung ist auch auf dem Fernsehmarkt sehr offensiv aufgetreten. Wie teilt sich das Geschäft in Österreich auf?
Mobility ist sicher der wichtigste Bereich.

Gemessen am Umsatz, wo liegt das Segment? Bei 70 Prozent?

Wir geben keine Geschäftszahlen bekannt. In der Größenordnung ist Mobility doppelt so groß wie das Fernsehgeschäft. Dann kommen die anderen Bereiche, professionelle Displays und Haushaltsgeräte.

Dieses Jahr hätte mit EM und Olympia ein gutes Jahr auf dem Fernsehmarkt werden können. Haben sich die Erwartungen erfüllt?

Der Fernsehmarkt ist noch herausfordernder als der Smartphonemarkt. Man muss einen eindeutigen Kundennutzen zeigen. Im Jahr werden etwa 700.000 Geräte verkauft, das ist stabil. Vor der EM hätte ich mir einen deutlichen Anstieg erwartet, es war aber ein sehr verhaltenes Halbjahr. Komischerweise ist der Markt aber nach der EM gewachsen. Aktuell versuchen wir mit Smart-TVs zu überzeugen. Die gibt es schon lange, aber nun ist das gesamte Ökosystem so weit, dass es dem Kunden einen Nutzen bringt.

Bisher wurden die Geräte nur selten auch wirklich mit dem Internet verbunden.
Damit haben wir uns natürlich beschäftigt. Die Durchsetzung liegt an der WLAN-Verbreitung und am LTE-Roll-out. Es muss die Kette zusammenspielen, erst dann kann man mit den Fernsehern auch etwas anfangen. Aber jetzt sind die Angebote so weit, dass sie auch genutzt werden. Die Nachfrage wird explodieren. Die Bildqualität ist aber nach wie vor der Hauptgrund, sich einen neuen Fernseher zu kaufen.

Auf der Mobile World Anfang des Jahres hat Samsung stark auf Virtual Reality gesetzt. Was sind Ihrer Meinung nach die großen Trends?

Der Displaymarkt wird unser Leben nachhaltig beeinflussen. Alles, was bisher beklebt wurde, und jede Auslage wird zum Display und bekommt ein lebendiges Bild. Das wird nicht heute oder morgen kommen, aber man sieht diese Entwicklung. Das wird ganz neue Geschäftsmöglichkeiten bringen. Viele Hersteller werden sich um den Markt bemühen. Samsung ist hier gerade mit Abstand Marktführer, was aber wirklich interessant ist, ist das Ökosystem dahinter.

Also nicht nur einmal die Hardware verkaufen.

Der wirkliche Business Case wird sich ergeben, zum Beispiel bei der Werbung oder bei der Frage, wem der Kunde gehört. Das sehen wir auch beim Smartphone, der Kunde nutzt unser Gerät, aber die Bindung zum Betriebssystem oder zu den Anwendungen ist viel stärker.

So gesehen hat aber Samsung bereits jetzt ein Problem, oder?

Ein Ziel von uns ist auf jeden Fall, den Kunden näherzukommen. Ohne dass ich im Detail heute schon darüber sprechen kann. Wir sind stolz darauf, der beste Hardwarehersteller zu sein. Damit sind wir aber noch nicht fertig. Uns ist bewusst, dass wir den Kunden mit Lösungen näherkommen müssen. Geräte bauen genügt heute nicht mehr.


Dieses Interview erscheien zuerst im WirtschaftsBlatt.

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