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| Brett King im Interview: c. WB Günther Peroutka |
Wien. Je länger Brett King spricht, desto nervöser wird sein Publikum. Erklärt der Bestsellerautor, Zukunftsforscher und CEO des US-amerikanischen Start-ups Moven seine Visionen zur Bank der Zukunft, wie etwa bei Googles "Think Finance"-Veranstaltung am Wienerberg, ist es für anwesenden Banker vor allem eines: ein Angriff auf bestehende Geschäftsmodelle.
Heimische Banker sehen es hingegen noch entspannter: Es sei zwar einiges in Bewegung und Banken müssten sich weiterentwickeln. Das spreche aber nicht gegen bestehende Servicekonzepte, sind sich Erste-Bank-Vorstand Peter Bosek, Bawag-Manager Markus Gremmel, Raiffeisen-E-Force-Chef Walter Mösenbacher oder Bank-Austria-Vorstand Helmut Bernkopf einig.
Filiale am Prüfstand
Bislang hat die Digitalisierung vor keiner Branche haltgemacht, sagt King: "Warum sollte es den Banken da anders gehen?" Denn auch hier sind Kunden immer weniger bereit, für Infrastruktur oder für komplexe Produkte zu bezahlen. "Das Modell des Cross-Sellings funktioniert bei Millennials, den Teenagern der 1990er-und 2000er-Jahre, nicht mehr", sagt King im Interview (das vollständige Gespräch gibt es hier nachzulesen) . Genauso wenig das Konzept Filiale. "Eine Bank ist bald nichts mehr, das man aufsuchen kann."![]() |
| C. WB Günther Peroutka |
Entwickelt sich das tägliche Bankgeschäft aber tatsächlich in eine Sammlung von Anwendungen, die Geld oder Kredite mobil zur Verfügung stellen, genau dann, wenn Kunden es brauchen, dann stehen traditionelle Banken schlecht da, sagt King. Ihr Modell mit günstigen Girokonten und teureren Investment-oder Finanzierungsprodukten bleibt dann ein Ladenhüter. Denn Kunden werden sich bei jedem Produkt wieder neu für den besten Anbieter entscheiden. "Kunden wollen ein Auto oder ein Haus, keine Finanzierung",sagt King. Und: "Künftig wird man keine Umsätze erzielen, wenn ein Papier zum Abschluss notwendig ist." Wollen Banken also in diesen Geschäftsfeldern künftig punkten, sollten sie ihre Plattform an Immobilienmakler oder Autohändlern verkaufen.
Konto ohne Verkauf
Im täglichen Geschäft sehe es aber anders aus, sagen österreichische Banker. Quer durch die Bankenlandschaft spielt Onlinebanking längst eine wichtige Rolle. 800.000 tägliche Log-ins verzeichnet man bei Raiffeisen, sagt E-Force-Geschäftsführer Walter Mösenbacher, davon kommen bereits gut 30 Prozent von Smartphones. Bei der Bank Austria nutzen rund 250.000 Nutzer mobile Services, Tendenz stark steigend.Besseres Service
Vor allem geht es neben wenigen reinen Onlinesparprodukten wie bei der Raiffeisen und dem Onlinekonto bei der Bank Austria aber nun darum, den Onlinekanal ohne Brüche ins tägliche Geschäft zu integrieren, sind sich die Banker einig. In Kombination mit der Filiale könne so das Service verbessert und die Kunden stärker an die Marke gebunden werden. Das lassen sich heimische Banken auch einiges kosten: 35 Prozent des Budgets für Privatkunden sind es beispielsweise bei der Erste Bank.Strategisch wichtig
Zu möglichen neuen Anbietern gibt man sich zugeknöpft: Vor allem was die Sicherheit angeht, brauche man den Wettbewerb nicht zu scheuen. Und doch: "Apple Pay macht mir schon Sorgen",sagt Bosek. Kommt das Service irgendwann nach Europa, könnte das der Branche wehtun. Apple macht Umsätze, den Banken hingegen blieben die Arbeit und die Bereitstellung der Infrastruktur. Allein deshalb ist das Bezahlen mit dem Smartphone ein strategisch wichtiges Geschäft. Bei der Bank Austria liegen die Entwürfe für die mobile Geldbörse auch schon in der Schublade.Trotzdem, sagt Gremmel von der Bawag, könne man die Entwicklungen in Österreich noch beobachten. Die Kunden seien noch etwas verhalten, die neuen Möglichkeiten müssten noch gelernt werden. King sieht es anders: "Millennials sagen:, Wenn mir jemand ein Produkt erklären muss, dann ist es vielleicht zu komplex.'"Werden Produkte nicht genutzt, liegt das seiner Meinung nach am Produkt, nicht am Kunden.
Der Artikel erschien im WirtschaftsBlatt


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